Der Ballengang: Vorteile und Nachteile

Ups werden Sie sagen... welche Nachteile soll denn der Ballengang haben? Ihr von Senmotic lauft selbst darin, unterrichtet ihn und schreibt nur über dessen Vorteile. Nun ja, es gibt schon Nachteile.


Wenn man nämlich von einem angeblichen Ballengang-Experten lernt, der selbst keine Ahnung hat. Gibt genug angebliche Experten, die sich gern bei uns bedienen und mit dürren Worten unverstanden nachplappern was wir veröffentlichen. Daraus erwachsen die drei gravierendsten Nachteile:


1. Sie laufen steif und fest nach Vorschrift eines Leerers ;-) und halten dies irrtümlicherweise für den flexiblen Ballengang
2. Es können gesundheitliche Nachteile entstehen, wenn man dem Master himself alles abkauft
3. Sie haben sinnfrei Geld ausgegeben


Wir können das alles sehr gut beurteilen. Immerhin sind wir die langjährigen Lehrer der mittlerweile bekanntesten Ballengang-Leerer. Mit Ausnahme des Herrn Greb, Begründer des Godo. Der seit 8 Jahren unter Knieproblemen leidet. Kann passieren, wenn man Bücher darüber schreibt und Vorträge hält. Theoretisch scheint alles klar. Nur praktisch führt halt Godo beim Master himself zu Knieschmerzen. ;-)


Die drei großen Fehler beim Ballengang...

 

Fehler 1

Der Fuß wird vorn spitz gehalten und man bemüht sich, unbedingt mit dem Ballen aufzukommen. Das setzt voraus, dass Sie Ihr Bein ganz weit nach vorn strecken. Beine gehen jedoch unter dem Körper und nicht vor dem Körper. Genauso wie der Kopf über dem Körper sitzt und nicht weit vor dem Körper. ;-)

 

Fehler 2
Man bemüht sich, streng nach Vorschrift zu gehen. Wir selbst haben diese Zeichnung schon vor mehr als 10 Jahren in verschiedenen Varianten veröffentlicht (wird oft dreist kopiert) ;-)

Die Ballengang-Experten erklären und lehren auch diese Reihenfolge des Aufsetzens des Fußes. Die Theorie so in der Praxis zu lehren ist grundlegend falsch. Denn die Zeichnung zeigt das Ideal. Das bekommt man nur auf einer völlig glatten Straße hin. Und auch nur, wenn Sie Ihren Körper beim Gehen ohne Armbewegung und Kopfdrehung konstant fest und stocksteif in einer Position halten. Das ist physiologisch unmöglich.

 

Fehler 3
Die minimalste Veränderung nur eines Körperteils lässt Sie Ihre Füße anders aufsetzen. Diese Anpassungsfähigkeit wird unterdrückt, weil man eine ganz feste Vorstellung vom Ballengang hat und "wie er laut Seminarleiter sein muss". Testen Sie es jetzt selbst, wie das Körpergewicht bei ganz einfachen Bewegungen über Ihre Füße wandert.

 

Test 1

 

Stellen Sie sich barfüßig aufrecht hin und schließen Sie die Augen. Spüren Sie, wie das Körpergewicht auf Ihre Füße übertragen wird und über welche Punkte das Gewicht über Ihre Füße in den Boden abgeleitet wird. Nun heben Sie langsam an der rechten Seite Ihren Arm in die Waagerechte, so dass Schultern und Arme eine verlängerte Linie bilden. Sie spüren, wie sich Ihr Körpergewicht auf das rechte Bein verlagert und Ihr Gewicht mehr über die Außenkanten Ihrer Füße abgetragen wird. Spielen Sie auch mit Ihrem linken Arm. Testen Sie es auch beim Gehen.

 

Test 2

 

Stellen Sie sich wieder barfüßig aufrecht hin. Schließen Sie Ihre Augen und fühlen Sie in Ihre Füße. Wie und über welchen Punkten wird Ihr Körpergewicht auf den Boden übertragen? Nun drehen Sie Ihren Kopf nach links, so dass Sie genau auf Ihre Schulter schauen. Jetzt können Sie spüren, wie das Körpergewicht sich nur etwas auf das rechte Bein verlagert, ein Teil des Körpergewichtes wird nur über die Innenseite des linken Beines und über die Innenseite des linken Fußes übertragen. Drehen Sie Ihren Kopf wieder langsam zurück und spüren Sie, wie sich Ihre Statik wieder verändert und das Körpergewicht wieder mehr über die Mitte des Fußes abgetragen wird. Üben Sie Ihre Wahrnehmung auch im Gehen.

Nun können Sie ja beim Gehen alle möglichen Bewegungen mischen. Der linke Arm geht beim Schritt etwas nach vorn, während Sie jemand ruft und Sie Ihren Kopf nach rechts drehen. Gleichzeitig treten Sie mit dem linken Fuß auf einen kleinen Stein. Das verlangt nach Anpassungsfähigkeit. Und nur darum geht es und genau dafür wurden die Füße geschaffen. Darwin (Gott hab ihn selig) ;-) postuliert „survival of the fittest“. Oft falsch übersetzt als "Überleben des Stärksten". Richtig übersetzt bedeutet es jedoch: Überleben des Angepasstesten. In diesem Zusammenhang eine kleine rhetorische Frage. Ob wohl Joggen, Fahrradfahren oder Gewichte stemmen Ihre Anpassungsfähigkeit erhöht...? ;-)

 

Survival of the fittest bedeutet auch, dass Ihre Vorfahren über Millionen Jahre nicht nach „Vorschrift“ gelaufen sind, sondern so, dass bei jeder Bewegung das Körpergewicht perfekt über die Füße auf den Boden übertragen wird. Es geht also beim Ballengang vor allem um Anpassungsfähigkeit und "Fit sein" in seiner ursprünglichen Bedeutung.

Der perfekte Ballengang entsteht durch „Loslassen"

Sie laufen immer dann im Ballengang, wenn die Anziehbewegung des Fußes in Richtung Schienbein entfällt. Entfällt zur Zeit bei mehreren Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Bei unseren Kindern und bei denen, die sich schlicht keine Schuhe mit höheren Absätzen leisten können oder wollen. Ob der Fuß dann im Ballengang mehr innen oder mehr außen aufsetzt, mehr im Mittelteil oder weiter vorn spielt nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist nur, dass die Anziehbewegung entfällt und der Fuß aufsetzen darf wie er will. Das ist der Ballengang wie wir ihn unseren Klienten lehren und wie er von ein paar Milliarden Menschen, ohne darüber nachzudenken, jeden Tag praktiziert wird.

Es ist uns übrigens ein Rätsel, wie man mit so etwas Belanglosem, welches man jedem Menschen in 60 Minuten wieder beibringen kann, ein ganzes Seminar-Wochenende füllt. Schließlich ist man als Kind viele Jahre im Ballengang gelaufen und dieses Bewegungsmuster ist naturgemäß im Nervensystem verankert. Genau genommen müssen Sie nur eine einzige durch Absatzschuhe konditionierte und kulturell anerzogene Bewegung (Anziehen des Fußes) weg lassen und schon laufen Sie wieder im Ballengang.

Auch wenn man es medizinisch zerbröseln will und die Anatomie des Menschen betrachtet, bleibt am Ende nur der Ballengang übrig. Der Muskel, der den Fuß hauptsächlich hebt und in Richtung Schienbein bewegt ist der „Fußheber“ Musculus tibialis anterior. Er verläuft innen längs am Schienbein und ist relativ schlank. Teilweise unterstützt wird er von ebenso schlanken Muskeln wie dem Musculus extensor digitorum longus.

Seine Gegenspieler, die den Fuß nach vorn strecken, sind dagegen richtige Brummer. Der Gastrocnemius ist so dick, dass er der Wade die typische Form verleiht. Es arbeitet zusammen mit einem anderen starken Muskel, dem M. soleus, der größtenteils von den dicken Wadenmuskeln bedeckt wird. Zusammen mit dem Musculus plantaris werden sie auch als Musculus trizeps surae bezeichnet. Gegen diese  starken und voluminösen Schwergewichte ist der Fußheber ein zierliches Kerlchen.

Der kleine vordere Fußheber ist nicht dafür geschaffen, über viele Kilometer und bei jedem Schritt den Fuß anzuheben. Und erst recht nicht gegen einen ständigen Widerstand wie einem schweren Schuh, der ja "mitgeschleppt" wird und dessen Sohle mit jeder Fußbewegung gebogen werden muss. Aus diesen Gründen ermüdet dieser Muskel auch sehr schnell. Und besonders Menschen, die große Strecken in Wanderstiefeln mit dicken Sohlen wandern und dabei über die Ferse laufend immer wieder den Fuß anziehen, bekommen Schwierigkeiten bis hin zur Lähmung des Muskels. Bekannt ist dieses Syndrom auch als Tibialis-anterior-Syndrom.

Der Fußheber hebt vor allem dann den Fuß, wenn der Boden es verlangt. Wenn Sie zum Beispiel einen leichten Anstieg hoch gehen, wird der Fuß leicht angezogen, damit trotzdem die ganze Fläche des Fußes aufsetzt und Sie mit Körper und Kopf aufrecht bleiben können. Wie schon geschrieben, geht es beim Ballengang um Fit im Sinne von Anpassungsfähigkeit. Und nicht um Bewegung nach Vorschrift „und so muss es sein“. Schon diese Herangehensweise zeigt, dass die Ballengang-Leerer ;-) realitätsferne Vorstellungen haben und selbst völlig unangepasst durch das Leben stolpern. Muss ja auch sein, wenn man selbst Meniskusprobleme hat oder wenn ein anderer mit spitzen Schuhen im Fersengang läuft. Während ein dritter "Ballengang-Experte" zwar richtigerweise lehrt, dass das Brustbein beim Laufen führt, selbst jedoch mit einer Trichterbrust unterwegs ist. ;-) Also fallen Sie bitte nicht auf so ein Brimborium herein.

 

1. Tragen Sie keine Schuhe oder maximal Barfußschuhe.

2. Lassen Sie die Anzieh-Bewegung Ihres Fußes weg.

3. Automatisch laufen Sie im Ballengang. Ist eigentlich ganz einfach....

4. Besuchen Sie KEIN Ballengang-Seminar. Wenn doch, dann empfehlen wir Peter Scholten.

5. Die einfachste und schnellste Methode, um den Ballengang zu lernen: Experimentieren und spielen Sie mit sich selbst. Beim Sex hat es doch auch ganz gut geklappt und Sie haben zuerst an sich selbst herausgefunden, wie es geht. ;-)

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Olesia (Donnerstag, 19 November 2015 08:40)

    Pain in the knees.
    Knee pain can be a sign that your ego is a little too big and that you're thinking of yourself a little too highly. Humble yourself. Spend some time volunteering. Remember, you're mortal.

    Grüßi Herr Greb

  • #2

    Senmotic-Team (Donnerstag, 19 November 2015 20:27)

    Zitat von der Webseite des Herrn Greb:

    Mit dem dogmatisch bis heute in jeder medizinischen Einrichtung und bei jeder häuslichen Erziehung gepredigten Befehl: "Rolle anständig ab!" oder "Geh anständig!" wurden und werden wir zu dem Gang-ver-halten verführt, welches als Hackengang oder Fersenauftrittsgang ein Marschieren ist. Das macht uns nicht nur physisch krank, sondern auch zu einer sadomasochistisch geistesgestörten, trotzgesteuerten militanten "Rasse".

    Da inzwischen mindestens 20 Mio. deutsch und italienisch Sprechende über meine Vorträge (auch in USA, Spanien und Frankreich), Bücher, Artikel und Fernsehauftritte (z.B. Bioleck) über die Bedeutung von GODO in Kenntnis gesetzt wurden und darunter entsprechend viele Ärzte sein müssen, die ich auch in Fachtagungen wie z.B. dem 52. Orthopädiekongress in Kiel unterrichtete, ohne dass die Medizin sich öffentlich zu GODO bekennt, müssen wir annehmen, dass die Fachwelt das Wissen um GODO aktiv verleugnet und sich damit, dass sie den "Fersenauftritt" dogmatisch ver-tritt an einer schwersten Schädigung der menschlichen Gesundheit schuldig macht."

    Soviel zum "Humble yourself".

    Einen Mediziner und Godopäden, der seit 8 Jahren unter seinem Ego... äh Knieprobleme leidet, und dann Orthopäden über den richtigen Gang aufklären will? Das ist so witzig, dass schon keiner mehr darüber lachen kann. Bei solchen Aussagen: "sadomasochistisch geistesgestörten, trotzgesteuerten militanten "Rasse" erkenne ich faschistoide Tendenzen und Allmachtsfantasien. Heil Godo würde ich da mal spontan antworten. ;-) Wollt ihr die totalen Knieprobleme? Jaaaaa... mein geliebter Führer aller Godopäden, dass wollen wir. ;-)

  • #3

    Sandra (Mittwoch, 18 Januar 2017 13:23)

    Hallo Senmotic-Team,
    ich laufe (jogge) schon seit einiger Zeit in Barfußschuhen oder Vibram-Five-Fingers, habe auch nie ein Seminar besucht, sondern laufe intuitiv. Ein Großteil der Strecke geht über Asphalt, das lässt sich jetzt im Winter leider nicht ändern.
    Nun leide ich unter einer immer wiederkehrenden Reizung der linken Achillessehne (Sehnenansatz am Sprunggelenk bis zur Ferse) und mir kommen so langsam Zweifel am "Natural Running". Was denkt Ihr? Besser zurück zu Schuhen mit leichter Pronationsstütze und wenig Sprengung oder intensivere Arbeit auf dem Balance Pad, Yoga, Feldenkrais, etc.?
    Liebe Grüße

  • #4

    Senmotic-Team (Mittwoch, 18 Januar 2017 17:19)

    Danke für Ihren Kommentar, den wir hier unbeantwortet lassen. Ferndiagnosen und "Ratschläge" über das Internet erteilen nur Scharlatane,

  • #5

    Matthias F. (Mittwoch, 27 September 2017 17:46)

    Zitat: "Lassen Sie die Anzieh-Bewegung Ihres Fußes weg... Automatisch laufen Sie im Ballengang. Ist eigentlich ganz einfach...."

    Dieser Satz bzw. Sätze haben mein Leben schlagartig verändert, zumindest das Leben als Läufer. Anfang des Jahres habe ich meine Laufschuhe an den Nagel gehängt und renne seitdem nur noch barfuß. Natürlich habe ich mich auch mit dem Thema Ballengang etc. beschäftigt und zahlreiche HowTo Seiten und Videos im Netz gefunden, die allerlei nützliche und viel unnütze Tipps vermitteln. Man will ja schließlich alles richtig machen.

    Vor wenigen Monaten bin ich über den o.g. Ratschlag gestolpert - wie jetzt, "der Fuß darf aufsetzen wie er will"???
    Und tatsächlich merkte ich nach einigen Tagen, dass ich viel effizienter laufe, wenn ich gar nicht drüber nachdenke, wie ich den Fuß bewegen muss, sondern einfach locker lasse und die Bewegung aus Hüfte/Oberschenkel kommt. Er (der Fuß) macht dann einfach von selbst was er soll und ich habe seitdem keine Probleme mehr mit Überlastungen nach dem Laufen. Es fällt mir sogar leichter, weil ich nicht mehr GEGEN den eigenen Körper laufe, sondern MIT ihm. Eine wirklich tolle Erkenntnis - und dabei so einfach... "einfach, aber simpel" würde ich sagen ;)

    Dass dabei die natürliche Federung mithilft, nicht nur den Aufprall zu dämpfen, sondern (im Gegensatz zu dicken Gummisohlen) auch die Aufprallenergie wieder zum Abstoß zu nutzen, konnte ich eindrucksvoll beim diesjährigen B2RUN Firmenlauf sehen: erstmalig barfuß bin ich deutlich schneller gewesen als in allen 12 Jahren vorher mit Schuhen! Und das ohne übermäßige Anstrengung und ohne Probleme nach dem Lauf. Wahnsinn! Evolution rules! ;)

    Herzlichen Dank für diesen augenöffnenden Beitrag und sorry, dass Sie jetzt an mir kein Geld als Therapeut verdienen (nur für die Schuhe natürlich). Aber selbst schuld, was geben Sie auch solche einfachen Tipps unentgeltlich im Internet preis ;)